By Andreas Wisler on Wednesday, August 28, 2024
Category: ISMS - Rund um das Thema Informationssicherheit

Der IKT-Minimalstandard

Die Digitalisierung bringt nicht nur Vorteile mit sich, sondern auch neue Gefahren. Der Sicherheitsbedarf in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nimmt zu. Unternehmen und Organisationen müssen sich vor den zunehmenden Gefahren durch Cyberangriffe schützen. Aus diesem Grund haben die Schweizer Bundesbehörden IKT-Minimalstandards festgelegt, die den Betreibern kritischer Infrastrukturen als zentrale Orientierungshilfe dienen. Diese Anforderungen dienen der systematischen Minimierung von Cyberrisiken und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der betroffenen Unternehmen. Diese Standards sollten aber nicht nur durch KRITIS-Unternehmen beachtet werden. Sie helfen unabhängig davon den Unternehmen, Schwächen zu erkennen.

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Die Relevanz von kritischer Infrastruktur

Kritische Infrastrukturen beziehen sich auf die elementaren Systeme, Anlagen und Dienste, die für die Funktionsweise einer Gesellschaft unverzichtbar sind. Zu diesen gehören u. a. Kommunikationssysteme, Gesundheitswesen, Finanzwesen, öffentliche Sicherheit und Energieversorgung. Wenn diese Infrastrukturen ausfallen oder beeinträchtigt werden, würde dies bedeutende Folgen für die Bevölkerung und die Wirtschaft haben. Daher wurde der IKT-Minimalstandard an verschiedene Bereiche angepasst. Die IKT-Minimalstandards dienen dabei als Leitfaden, um die Sicherheit digitaler Systeme zu sichern und potenzielle Angriffspunkte zu reduzieren.

Ziele der IKT-Minimalstandards

Die IKT-Minimalstandards haben verschiedene Zielsetzungen, die den Schutz und die Sicherheit gewährleisten sollen. Die Hauptziele sind:

Aufbau und Struktur des IKT-Minimalstandards

Der ISO/IEC 27001-Standard für Informationssicherheitsmanagementsysteme sowie das NIST (National Institute of Standards and Technology)-Rahmenwerk bilden die Grundlage des IKT-Minimalstandards. Mit diesen internationalen Standards können Organisationen bewährte Methoden anwenden und diese in ihre Cybersicherheitsstrategie einbinden.

Der Minimalstandard wurde in mehrere Hauptbereiche unterteilt, in denen konkrete Massnahmen für verschiedene Aspekte der Cybersicherheit enthalten sind. Dazu zählen:

Themen im Detail

Das zur Verfügung gestellte Excel-Dokument unterstützt bei der Selbstbewertung. Zu jedem Themengebiet gibt es mehrere Fragen. Als Umsetzungsstand (Reifegrad) kann ein Wert von 0 bis 4 eingegeben werden. Dabei stehen die Werte für:

Vordefiniert ist ein Mittelwert von 2.6 pro Themengebiet. Dieser kann, und sollte auch, an das eigene Unternehmen und die Anforderungen angepasst werden. Am Ende kann dies beispielsweise so aussehen:

Quelle: Minimalstandard zur Verbesserung der IKT-Resilienz 2018, Seite 39

Umsetzung der IKT-Minimalstandards

Um die IKT-Minimalstandards einzuführen, müssen Unternehmen und Organisationen eine gründliche Planung und Ressourcenverteilung durchführen. Es genügt nicht, bloss technische Massnahmen umzusetzen. Es ist wichtig, dass auch die Organisationsstrukturen angepasst und fortlaufende Überprüfungen und Verbesserungen durchgeführt werden. Die Durchführung kann durch verschiedene Schritte erfolgen:

Herausforderungen in der Umsetzung

Trotz der klaren Vorteile gibt es auch Herausforderungen bei der Implementierung der IKT-Minimalstandards. Der Aufwand an Ressourcen, der vor allem für kleine Unternehmen eine Belastung darstellen kann, stellt eine der grössten Herausforderungen dar. Für die Realisierung der Massnahmen sind finanzielle Mittel, technisches Fachwissen und Personalressourcen erforderlich. Ein zusätzliches Problem stellt die Dynamik der Gefährdungslage dar. Aufgrund der fortwährenden Weiterentwicklung von Cyberangriffen müssen Unternehmen ihre Sicherheitsstrategien ständig anpassen. Es ist hier von Bedeutung, eine Sicherheitsstrategie zu konzipieren, die flexibel und anpassungsfähig ist und in der Lage ist, den sich wandelnden Bedrohungen standzuhalten.

Fazit

Der IKT-Minimalstandard bietet eine solide Grundlage für den Schutz kritischer Infrastrukturen in der Schweiz. Er unterstützt Firmen bei der Stärkung ihrer Cybersicherheit und der Abwehr zunehmender Bedrohungen aus dem digitalen Raum. Für eine gelungene Realisierung sind allerdings nicht nur technologische Massnahmen erforderlich, sondern auch eine Anpassung der Organisation bzw. der Prozesse und fortlaufende Überwachung. Der IKT-Minimalstandard ist ein unverzichtbares Werkzeug, um die Sicherheit und Stabilität der digitalen Infrastruktur auf lange Sicht sicherzustellen, besonders (aber nicht nur) für Unternehmen, die eine Schlüsselrolle in der Gesellschaft spielen.

Der IKT-Minimalstandard kann unter https://www.bwl.admin.ch/bwl/de/home/bereiche/ikt/ikt_minimalstandard.html kostenlos bezogen werden. Dazu gehört auch ein Self Assessment Tool im Excel-Format.

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