By Andreas Wisler on Freitag, 13. August 2021
Category: ISMS - Rund um das Thema Informationssicherheit

Kanban - Werkzeug für die IT-Sicherheit?

In der Software-Entwicklung sind agile Methoden schon viele Jahre bekannt und werden gelebt. Die Produktivität und die Arbeitszufriedenheit erhöhen sich. Die Qualität leidet dabei nicht und konnte sogar verbessert werden. Doch wie sieht das in der Informationssicherheit aus? Können auch hier agile Werkzeuge helfen, diese zu erhöhen? 

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Was ist Kanban?

Vielen ist Kanban nur als «viele Post-Its an der Wand» bekannt. Doch Kanban ist viel mehr. Gemäss Definition ist es ein Werkzeug, um den optimalen Arbeitsfluss in einem Prozess zu managen. Dies völlig unabhängig, um was für einen Prozess es sich handelt. Ein grosser Unterschied ist dabei, dass es ein limitiertes Pull-System darstellt und nicht Push. Aufgaben werden nicht einfach weitergeschoben, sobald ich fertig bin, sondern die Übergabe findet koordiniert statt. Die Kommunikation innerhalb der Prozess-Schritte ist daher ein wichtiges Thema. Weiter ist es das Ziel Engpässe aufzuzeigen und diese durch kontinuierliche Verbesserung zu beheben. Wir können uns dies wie mit Wassertrichtern vorstellen, die hintereinander sind. Hat der erste ein grosses Loch, kann viel Wasser durchfliessen. Wenn nun der zweite ein kleineres Loch hat, geht weniger Wasser durch. Damit dieser nicht überläuft, darf in den ersten entsprechend auch weniger Wasser rein gelassen werden. Ist nach den zweiten noch ein dritter (und weitere) Trichter, wieder mit einem grösseren Loch, kann dieser ebenfalls nicht mehr voll ausgelastet werden, da weniger Wasser bis zu ihm kommt. Gemäss Definition gilt es, in einem ersten Schritt, diesen Engpass voll auszulasten. Dieser gibt die Geschwindigkeit für alle anderen vor. In einem zweiten Schritt wird dann untersucht, wie dieser Engpass verbessert und erweitert werden kann und damit die Gesamtkapazität erhöht.

Prinzipien und Kernpraktiken

Kanban kennt vier Prinzipien:

Neben den Prinzipien gibt es Kernpraktiken, die wir ebenfalls kurz beleuchten.

Umsetzung in der Informationssicherheit

Was haben diese Prinzipien und Kernpraktiken nun mit der Informationssicherheit zu tun? Sehr viel. Es ist ein ideales Arbeitswerkzeug, um die vielen parallel laufenden Tätigkeiten zu managen.

Oft werden neue Projekte begonnen, bevor die aktuell anstehenden Aufgaben erledigt sind. Diese Unterbrüche führen dabei zu Verzögerungen, Fehlern und unvollständigen Ergebnissen. Gerade bei weniger beliebten Tätigkeiten wie das Schreiben von Konzepten oder Dokumentationen lassen wir uns gerne unterbrechen. Beginne ich dann wieder mit der Weiterführung benötige ich viel Zeit den aktuellen Stand zu finden und meine Gedanken zu ordnen, wie es weitergehen soll. Vielleicht kommt es auch Widersprüchen im Dokument, da mir nicht mehr 100% in Erinnerung ist, was im vorherigen Kapitel definiert wurde.

Klare Abläufe geben Sicherheit. Nehmen wir das Beispiel Patchen von Systemen. Oft eine einfache Tätigkeit, doch es kann auch zu Problemen kommen. Ein klassisches Vorgehen bei virtualisierten Servern ist dabei: Snapshot erstellen, Patch herunterladen und ausrollen, alle Funktionen testen, nach einer definierten Zeit den Snapshot wieder entfernen (falls gewünscht). Auch wenn dieses Beispiel trivial ist, sollte ich den Patch nicht vor der Erstellung des Snapshots installieren. Kommt es zu einem Fehler kann ich nicht mehr zurück gehen und habe im schlimmsten Fall einen grossen Aufwand das System in den vorherigen Zustand zurückzubringen.

Oft ist auch die Frage nach dem Nadelöhr. Hat der CISO zu wenig Ressourcen, die Projekte zu prüfen? Oder hängt es beim Chef fest? Gemäss obenstehender Theorie des Engpasses muss dieser voll ausgelastet werden 😉, doch dies kann zu einem Burnout führen. Daher gilt es, die Ressourcen entsprechend zu planen und darauf zu achten, dass diese nacheinander kommen und nicht alle miteinander.

Was in der Software-Entwicklung schon lange ein Thema ist, sollte auch in anderen Projekten ein Thema sein. In regelmässigen Abständen, beispielsweise alle zwei oder vier Wochen, wird miteinander besprechen, was in den nächsten 2-4 Wochen umgesetzt wird. Die notwendigen Ressourcen werden geplant und mit Reserve für Unvorhergesehenes versehen. Tägliche Kurz-Meetings zeigen, wie der aktuelle Stand ist, wo Probleme auftreten und ob der Zeitplan noch eingehalten werden kann. Das Team kann sich so tatkräftig unterstützen und gemeinsam wird das Etappenziel erreicht. Kurzer Hinweis am Rande: in Scrum sind die Meetings Pflicht. In Kanban definiert dies das Team. Wenn aber ein Commitment dafür gemacht wird, sind sie für die involvierten Personen Pflicht. Aus eigener Projekt-Erfahrung sollten diese Daily-Meetings dazu gehören.

Weiter ermöglicht dieses Vorgehen, KPIs zu definieren. Gerade in komplexen IT-Projekten und damit verbunden der Informationssicherheit gar nicht so einfach. Daher ist es umso wichtiger, die Zeit zwischen dem Beginn und Ende der Arbeit festzuhalten. Dazu gehört auch die Anzahl der Arbeitspakete, die pro definierte Zeiteinheit umgesetzt wurden. Damit wird gleichzeitig eine Übersicht über die aktuellen IT-Projekte ermöglicht.

Beispiel Kanban-Board

Unterstützende Werkzeuge

An dieser Stelle ist es nicht möglich, alle Tools, die es auf dem Markt gibt, aufzulisten. Im einfachsten Fall genügt eine Wand, einige waagrechte und senkrechte Striche, ein paar Post-its und das Kanban-Board ist fertig. Mit der mobilen Arbeit ist dies aber keine akzeptierte Möglichkeit mehr. Wie erwähnt bietet Trello einen guten Einstieg in dieses Thema. Auch Jira ist weit verbreitet und bietet mit dem Software-Modul Kanban, wie auch Scrum. Ein Favorit von mir ist Leantime, welches als OpenSource Lösung auch auf dem eigenen Server läuft. Herunterzuladen ist es unter https://leantime.io/.

Vergleich mit Scrum

​Scrum ​Kanban
Anwendungsgebiete ​Unklare Lösungskonzepte und Innovationen, komplexe Produktentwicklung ​Komplizierte Produktentwicklung, Dienstleistungen, Wartung, Routineaufgaben, sonstige Services, Prozessverbesserungen
Form​Arbeit in einem festen, funktionsübergreifenden Team mit drei bis neun Personen (Scrum-Team)​keine spezielle Form
​Rollen​Drei feste Rollen: Scrum Master, Product Owner, Entwicklungsteam​keine festen Rollen erforderlich
Ereignisse​Fünf obligatorische Ereignisse: Sprint, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Restrosprektive​Keine obligatorischen Ereignisse. Möglich: Strategie-Review, Operations Review, Risiko-Review, Service Delivery Review, Replenishment-Meeting, Kanban-Meeting, Delivery Planning
Ergebnisse​Regelmässig nach jedem Sprint in Form eines funktionsfähigen Teilstücks​Je nach Kontext und Bedarf, von einzelnen Aufgaben bis hin zum vollständigen Release
Fokus​Produkte mit höchstmöglichen Wert ausliefern, zusätzlich laufende Verbesserung von Produkt, Team und Arbeitsumgebung​ein möglichst konstanter Arbeitsfluss, erkennen und verbessern des Engpasses, schneller Auslieferung, fortlaufende Verbesserung

Fazit

Kanban ist eine gute Methode, auch die IT-Sicherheitsprojekte in einen geordneten Ablauf und damit zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

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